Corporate Design für VESTICO
Visuelle Identität in drei Dimensionen gedacht
VESTICO startete mit einer Idee und einem Namen – aber noch ohne klare Sprache für das eigene Produkt. Entstanden ist eine Corporate Identity, die eine neuartige Technologie nicht nur sichtbar machte, sondern erzählbar: vom Markennamen über das generative Logo bis zu Product Brands, Modul-Icons, Messestand, Handout und digitaler Anwendung.
Bereich: Corporate Design /
Umfang: Recherche, Analyse, Beratung, Konzept, Markenpositionierung, Corporate Design, Product Branding, Product Naming, Logos, Brand Icons /
Der Messestand als leuchtendes Beispiel — mit modularen LED-Messewänden von Pixlip®
VESTICO trat mit dem Anspruch an, Architektur anders zu zeigen. Keine starren Renderings, keine glattpolierten Verkaufsbilder, keine Präsentationen, bei denen ein Bauprojekt flach auf einer Folie endet. Das Produkt setzte auf räumliche Erfahrung. Gebäude ließen sich in einer Game Engine dreidimensional darstellen, auf Touch-Monitoren bedienen, in Wettersituationen simulieren und bis in einzelne Etagen zerlegen. Für Projektentwickler, Architekten und Vertriebsverantwortliche entstand damit ein Werkzeug, das komplexe Vorhaben greifbarer machte.
Virtual Reality zum Anfassen: Demonstration einer interaktiven Architekturvisualisierung am Touch-Display
Am Anfang stand eine Idee. Es fehlten nur die Worte.
Als ich in das Projekt einstieg, war vor allem eine Idee da. Dazu kam ein Name: VESTICO. Mehr gab es praktisch nicht. Kein Erscheinungsbild, keine gefasste Erzählung, keine klare Vorstellung davon, wie diese Technologie nach außen auftreten sollte. Genau an dieser Stelle wurde Identity Design relevant. Es brauchte eine Form, die dem Unternehmen Halt gibt, den Gründern Orientierung verschafft und dem Produkt eine Sprache verleiht, die Investoren, Kunden und Stakeholder sofort ernst nehmen.
Die Arbeit von Bureau FM hinterlässt bei uns vor allem das gute Gefühl, schon zu Beginn alles richtig gemacht zu haben. Angesichts der Komplexität unseres Angebots hätte sich kaum ein besserer Partner finden können, um unsere Vision ins Visuelle zu übersetzen. Wir sind nachhaltig begeistert und werden noch lange von den Ergebnissen dieser Zusammenarbeit profitieren.
Robby Höfler, Gründer von VESTICO
Wo Komplexität eine Form braucht
Die kommunikative Schwierigkeit lag offen zutage. VESTICO war ein junges Tech-Start-up in einem Feld, das für viele potenzielle Kunden neu und erklärungsbedürftig war. Architekturvisualisierung war bekannt. Interaktive, dreidimensionale Anwendungen für Vermarktung, Planung und Präsentation waren es weit weniger. Ein solches Angebot verkauft sich nicht von selbst. Es muss gefasst, benannt, aufgeladen und visuell so präzise übersetzt werden, dass seine Relevanz sofort spürbar wird.
Dazu kam die Breite des Adressatenkreises. Das Angebot musste Projektentwickler erreichen, Architekten, Marketing- und Vertriebsverantwortliche, später auch größere Marktteilnehmer und Stakeholder aus dem Förderumfeld. Der Auftritt musste professionell genug sein, um Vertrauen zu stiften, offen genug, um Begeisterung auszulösen, und belastbar genug, um in Präsentationen, auf Fachmessen, in Printmedien und auf digitalen Kanälen dieselbe Idee zu tragen.
Ein Vielfaches von 3 — Silben, Farben, Dimensionen.
Der tragende Gedanke des Erscheinungsbildes war die Dreidimensionalität. Das lag nahe, weil das Produkt selbst aus räumlicher Erfahrung heraus gedacht war. Interessant wurde dieser Gedanke erst, als er zur eigentlichen Struktur der Marke wurde. Die Zahl Drei zog sich durch alles: durch die inhaltliche Klammer von 3D, durch drei Silben im Namen, durch die RGB-Farbwelt und durch einen eigenen Dreiklang in der Positionierung: Visionaries, Explorers, Solvers als schablonenartige Leitfiguren, ergänzt um die vier Leitgedanken Think, Inspire, Create und Optimize. Das war für mich der entscheidende Punkt. Die Marke bekam kein nachträgliches Styling. Sie entwickelte ihre Form aus dem Kern des Produkts. Technik, Wahrnehmung und Kommunikation griffen ineinander.
Das Identity Konzept gibt dem Start-up auch kommunikative Leitgedanken an die Hand
Der Name wurde zum Träger der Markenidee
Ein großer Teil der Arbeit lag im Umgang mit dem Namen. VESTICO war gesetzt, intern ausgedacht und im Unternehmen bereits vorhanden. Als Name allein trug er noch wenig. Seine Stärke entstand erst durch die semantische Aufladung. Jeder Buchstabe bekam einen Begriff: Virtual, Experience, Systems, Three-dimensional, Interactive, Customized, Online. Damit entstand ein Raster, über das sich das Unternehmen erzählen ließ. Der Name wurde zum Träger der Markenidee.
Im Handout sieht man gut, wie tragfähig dieser Schritt war. Aus jedem Begriff ließ sich eine kleine Geschichte entwickeln. Zusammen ergaben sie ein Narrativ über das Produkt, seine Skalierbarkeit, seine Interaktivität, seine technologische Offenheit und seine Perspektive für die Zukunft. Der Name hörte auf, bloße Bezeichnung zu sein. Er wurde zur Kommunikationsstruktur des Unternehmens.
Ein generatives Logo statt eines starren Zeichens
Auch das Logo folgte keiner dekorativen Laune. Seine Grundform bestand aus drei gleichseitigen Dreiecken, angelegt in einem definierten Raster und offen für variable Anordnungen. Genau das machte sie für VESTICO so passend. Das Unternehmen arbeitete mit Bewegung, räumlicher Veränderung, Perspektivwechsel und interaktiver Erfahrung. Eine starre Marke hätte diese Idee unnötig eingeengt.
Die Dreiecksform brachte zusätzlich Spannung in den Auftritt. Sie verweist auf Richtung, Dynamik und Konstruktion. Im Zusammenhang mit dem Anfangsbuchstaben „V“ lag sie förmlich auf der Hand, wirkte dabei aber nie illustrativ. Das Zeichen blieb abstrakt genug, um als Marke zu funktionieren, und konkret genug, um einen klaren Charakter zu entwickeln.
Vom Markenzeichen zur Product Brand „vBuild” — Animation der dynamischen Dreiecksmarke
Aus der Marke wurde ein ganzes System
VESTICO blieb im Projekt nie auf der Ebene einer Dachmarke stehen. Aus der Parent Brand entwickelte sich eine klar gegliederte Markenarchitektur mit Product Brands und Modules. Im Brand-Dokument tauchen Produktnamen wie vBuild, vLive, vShow, vGuide, vSell und vTell auf. Dazu kamen modulare Logos und Icons für einzelne Funktionen innerhalb der Anwendung. Damit erhielt das Unternehmen eine Sprache, die vom großen Markenbild bis in die Details der Nutzung reichte.
Gerade das Product Naming war ein starkes Werkzeug. Die einzelnen Namen blieben erkennbar Teil derselben Welt und entwickelten dennoch jeweils einen eigenen Ton. Im Brand-Dokument wird beschrieben, dass die Produktmarken eine eigene Sprache sprechen und emotional differenziert aufgeladen werden können. Die gemeinsame Klammer blieb erhalten. Jede Untermarke bekam Luft für ihren Charakter.
Farbe, Typografie und Icons als Teil derselben Logik
Die Farbpalette setzte auf Rot, Grün und Blau. Diese Wahl war kein Gag, sondern eine folgerichtige Entscheidung aus der digitalen Herkunft des Produkts. Im Brand-Identity-Dokument sind die Farben als Visionary Red, Explorer Green und Solver Blue benannt. Ergänzt wurden sie um Grautöne, die dem System Ruhe, Kontrast und Fläche gaben. Die Farben arbeiteten mit Wiedererkennung, signalisierten technologische Herkunft und hielten zugleich eine gewisse spielerische Spannung im Auftritt.
Als Schrift kam Soin Sans Neue zum Einsatz. Die Wahl traf den richtigen Ton für ein junges Tech-Unternehmen: geometrisch, präzise, zeitgenössisch, gut lesbar. Dazu kamen Brand Icons und Modul-Icons, die die semantischen Ebenen der Marke weiterführten. An solchen Stellen zeigt sich, ob eine Identität wirklich sitzt. Das System muss im Kleinen genauso überzeugend sein wie auf der großen Bühne. Bei VESTICO reichte die Logik von der Dachmarke bis zu Funktionssymbolen wie Screenshot, Mail oder Sun Position.
Was dieses Projekt für mich bis heute besonders macht
VESTICO gehört für mich zu den Projekten, an denen sich sehr gut ablesen lässt, was Identity Design im Kern leisten kann. Es ging um weit mehr als ein visuelles Erscheinungsbild. Gesucht war eine Form für eine Geschäftsidee, die in ihrer Zeit voraus war, technisch anspruchsvoll blieb und kommunikativ noch keine feste Kontur hatte. Genau darin lag die Herausforderung und genau darin lag für mich der Reiz.
Das Projekt hat mir gezeigt, wie kraftvoll eine Leitidee werden kann, wenn sie wirklich trägt. Aus ihr entstand der Name als erzählerisches Gerüst, aus ihr folgte das variable Logo, aus ihr wuchs die Markenarchitektur, aus ihr entwickelten sich Farben, Icons, Anwendungen und Statements. Am Ende stand ein Auftritt, der dem Unternehmen Charakter, Richtung und Stimme gab.