Print Design für HfM Carl Maria von Weber Dresden
Damit Distanz nicht dazwischenfunkt
Für die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden habe ich im Rahmen des Forschungsprojekts OnMUdiH eine Broschüre zum Echtzeit-Musizieren über das Internet gestaltet. Der Leitfaden richtet sich an Musizierende, Lehrkräfte und weitere Interessierte, die gemeinsam online musizieren oder unterrichten wollen. Inhaltlich reicht es von einer Schritt-für-Schritt-Anleitung über Latenz, Hardware, Klang und Software bis zu Problembehebung, Mikrofontechnik und einem kleinen Lexikon.
Bereich: Print Design /
Umfang: Layout, Satz, Gestaltung, Informationsgrafiken, Illustration, Editorial Design /
Ein Forschungsprojekt in einer Zeit der Distanz
Der Anlass lag in einer Situation, die viele Musikerinnen und Musiker noch sehr genau erinnern dürften. Während der Pandemie fielen Proben, Unterricht und gemeinsames Spiel im Raum weg. Das Projekt „Online Musizieren und Unterrichten im digitalen Hochschulraum“ suchte nach Wegen, musikalische Zusammenarbeit dennoch möglich zu machen. Die Broschüre sollte dieses Wissen nicht bloß dokumentieren, sondern in eine Form bringen, die sich wirklich nutzen lässt: als Einstieg, als Nachschlagewerk und als praktische Hilfe im Alltag.
Viel Technik, wenig Reibung
Die eigentliche Herausforderung bestand darin, einen sehr technischen Leitfaden übersichtlich und kompakt zu gestalten. Schon das Inhaltsverzeichnis zeigt, wie viele Ebenen hier zusammenkommen: Schritt-für-Schritt-Anleitung, Latenz, Hardware, Klang, Softwarevergleich, FarPlay-Tutorial, Praxiseinblicke, typische Probleme, Mikrofon-Spezial und Glossar. Solcher Stoff droht schnell zu zerfasern, wenn jede Seite neu um Aufmerksamkeit bittet. Mir war wichtig, dass die Broschüre ruhig bleibt, auch wenn sie viel erklärt.
„Aus vagen Ideen unsererseits hat Tobi ein stimmiges und elegantes Layout sowie informative Grafiken gezaubert, denen man Kreativität und eine große Liebe zum Detail ansieht. Die Zusammenarbeit war in allen Phasen des Projekts sehr angenehm, reibungslos und schnell.“
Anselm Vollprecht, Wissenschaftlicher Mitarbeiter / Projektkoordination
Ein roter Faden aus Illustration
Um diese Ruhe zu halten, habe ich einen konsistenten Illustrationsstil entwickelt, der das ganze Heft zusammenbindet. Kabel, Stecker, Router, Mikrofone, Audio-Interfaces, Softwareoberflächen und kleine technische Details wurden in Vektorgrafiken übersetzt und tauchen über die Publikation hinweg immer wieder auf. So entsteht eine eigene visuelle Welt, die den technischen Gegenstand aufgreift, ohne trocken zu werden. Gleichzeitig gibt sie dem Heft einen gestalterischen Zusammenhang, der kognitiv entlastet. Statt vieler uneinheitlicher Bilder spricht hier alles dieselbe Sprache. Das war mir wichtig — auch als Form von Wertschätzung gegenüber einer Zielgruppe, die mit Klang, Instrumenten und Feinheiten des Ausdrucks arbeitet.
Großes Lob für das Layout der Handreichung! Die Kabelidee ist echt witzig!
Rückmeldung aus dem Projekt
„This is amazing! The coherent style of the graphics in the PDF guide is BEAUTIFUL (as are the rest of the materials). We will be happy to let our german users know of these resources.“
David Liao, Director of Communications, FarPlay
Editorial Design heißt hier vor allem: Hierarchie
Bei 44 Seiten mit dieser Dichte war die typografische und strukturelle Ordnung entscheidend. Kapitel, Zwischenebenen, Verweise, Links, Tabellen, Infografiken, Interface-Erklärungen und Glossarbegriffe mussten so gesetzt werden, dass man sich nicht auf jeder Doppelseite neu einlesen muss. Schon die Schritt-für-Schritt-Anleitung auf den Seiten 6 und 7 oder die ausführlichen Erklärseiten zu FarPlay zeigen, wie stark das Heft von wiederkehrenden Grundprinzipien lebt: klare Gewichtungen, gut geführte Infokästen, ein stabiles Raster und deutlich markierte Verweise. Die Gestaltung soll hier nicht überraschen, sondern Orientierung geben.
Für den Bildschirm gebaut
Auch wenn es sich um eine Broschüre handelt, war früh klar, dass sie vor allem als PDF zirkulieren würde. Das hatte unmittelbare Folgen für die Gestaltung. Interne Sprungmarken, klickbare Verweise und externe Links wurden Teil der Publikationslogik. Besonders wichtig war mir außerdem die geringe Dateigröße. Der Innenteil kommt nahezu vollständig ohne Pixelbilder aus und setzt stattdessen auf Vektorgrafiken, wodurch die Broschüre trotz ihres Umfangs leicht verschickbar und schnell ladbar bleibt. Gerade bei einem Medium, das im digitalen Raum geteilt, gemailt und heruntergeladen wird, ist das keine Nebensache, sondern Teil des Designs.
Praxisnähe statt bloßer Theorie
Was ich an dem Projekt besonders schätze, ist die Nähe zur tatsächlichen Nutzung. Das Heft erklärt nicht nur Begriffe wie Latenz, Audio Buffer Size oder Peer-to-Peer, sondern führt von dort direkt in konkrete Setups, Softwareentscheidungen und Praxissituationen hinein. Es gibt Vergleichstabellen, Tutorials, Erfahrungsbeispiele und Problemlösungen. Diese Verbindung aus technischer Präzision und zugänglicher Vermittlung wollte ich auch gestalterisch tragen. Das Layout sollte den Eindruck vermitteln: Hier wird nicht abstrakt über Technik gesprochen, hier wird jemand an die Hand genommen.
Was das Projekt für mich ausmacht
„Und jetzt zus@mmen!“ ist für mich ein sehr schönes Beispiel dafür, was gutes Editorial Design leisten kann. Es ordnet nicht bloß Inhalte, sondern gibt ihnen Takt, Gewicht und Zusammenhang. Genau darin lag hier der Reiz: einen sehr technischen Stoff so zu gestalten, dass er lesbar, ruhig und zugänglich wird, ohne an Genauigkeit zu verlieren. Besonders stolz bin ich auf die Konsequenz, mit der sich Raster, Illustrationen, Informationsgrafiken und Seitenlogik zu einem geschlossenen Ganzen fügen. Bei Projekten wie diesem liebe ich die Freiheit, ein Medium fast bis auf den letzten Millimeter durchdenken und formen zu können.
- Seite:
- Portfolio
- Bereich:
- Print Design
- Schlagwort:
- Bildung & Forschung
- Link:
- www.hfmdd.de
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