Corporate Design für Jazzclub Leipzig
Ein neues Zeichen
für neue Zeiten
Der Jazzclub Leipzig gehört nicht zuletzt als Veranstalter der Leipziger Jazztage seit Jahrzehnten zu den prägenden Institutionen der Musikstadt Leipzig. Aus dem Wunsch nach einer gestalterischen Neuaufstellung, mit der sich das neue Team des Jazzclubs stärker identifizieren konnte, entstand in Kooperation mit dem Illustrator Stefan Ibrahim ein Erscheinungsbild, das die Nähe zum kulturellen Gedächtnis des Genres sucht, ohne in Nostalgie zu kippen.
Bereich: Corporate Design /
Umfang: Recherche, Analyse, Kreation, Logo, Layouts, Farbwahl, Schriftwahl, Schriftzüge, Website /
Kooperation: Stefan Ibrahim (Illustration)
Ein Relaunch mit biografischer Fallhöhe
Dieses Projekt hatte für mich eine besondere Ebene. Das vorherige Zeichen des Jazzclub Leipzig stammte ebenfalls von mir. Über 12 Jahre hatte es den Auftritt des Vereins geprägt. Inzwischen hatte sich jedoch vieles verändert: personell, inhaltlich, geopolitisch.
Ein an der Spitze neu aufgestellter Verein wollte einen Auftritt, der näher an der eigenen Haltung liegt und nach außen glaubwürdiger vertreten werden kann. Hinzu kam, dass das alte Zeichen an Kraft verloren hatte. Die neuerliche symbolische Aufladung des Buchstabens ’Z’ führte im Verein zu einer Entfremdung mit dem alten Logo (ein stilisiertes ’Z’), dessen Sinngehalt auch nach all den Jahren für viele erklärungsbedürftig blieb.
Für den Relaunch musste ich deshalb nicht nur einen langjährigen Auftraggeber neu lesen, sondern auch meine eigene frühere Arbeit hinterfragen. Genau darin lag eine der eigentlichen Herausforderungen.
Noch einmal mit Gefühl — für die Szene, ihre Fans und den Jazz
Gesucht war etwas, das wieder näher an den Verein rückt — an seine Sprache, seine Szene und die Menschen, die ihn tragen. Das neue Logo beginnt dabei mit einer einfachen Beobachtung: Wer an Jazz denkt, denkt oft zuerst an das Saxofon. Das mag verkürzt sein, ist als kulturelles Bild aber erstaunlich stabil. Statt gegen diese Vertrautheit anzudesignen, habe ich sie aufgenommen und weitergeführt.
Das neue Logo ist ein ’J’, spielt scherenschnittartig aber mit der Form eines Saxofons und wird so zur Kippfigur. Mit etwas Fantasie kann man auch eine Viertelnote, ein Häkchen und sogar einen Satz Uhrzeiger erkennen. Diese Mehrdeutigkeit macht das Zeichen jedenfalls beweglich. Es bleibt lesbar, ohne eindeutig zu sein, und schafft damit genau die Offenheit, die ein Kulturzeichen wie dieses braucht.
Jazz wiedererkennen und sich wiedererkennen
Einer der zentralen Gedanken der Neugestaltung betrifft den Begriff Wiedererkennbarkeit. Dabei geht es nicht nur darum, dass ein Publikum eine Marke wiedererkennt. Es geht genauso darum, dass Menschen sich in ihr selbst erkennen können. Genau das war beim Jazzclub Leipzig entscheidend. Ein neues Team wollte einen Auftritt, mit dem es sich stärker verbunden fühlt. Ein kulturelles Publikum sollte das Gefühl bekommen, dass hier seine Sprache gesprochen wird.
Das neue Zeichen arbeitet genau mit diesem doppelten Prinzip. Es trägt Symbole des Jazz in sich, ohne sie bloß abzubilden. Es spricht vertraute visuelle Muster an, ohne sich ihnen zu unterwerfen. Auf diese Weise entsteht Sympathie nicht über Gefälligkeit, sondern über Nähe und Wiedererkennung.
Die typografische Brücke über den Atlantik
Die Typografie des neuen Erscheinungsbildes bewegt sich bewusst zwischen zwei ästhetischen Bezugssystemen: der sachlichen, handwerklich geprägten Plakatgestaltung der DDR und der stärker werblich aufgeladenen Anzeigensprache der USA zu Beginn der 1990er Jahre. Darin liegt mehr als ein formales Zitat. Die Verbindung dieser beiden Pole spiegelt sehr genau den kommunikativen Ort des Jazzclub Leipzig: zwischen Kultur und Konsum, zwischen Szene und Öffentlichkeit, zwischen künstlerischem Anspruch und der Notwendigkeit, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die serifenlose Schrift trägt etwas Direktes, Plakatives und Gegenwärtiges in sich, während die Serifenschrift einen Ton von gesetzter Kultur, Redaktion und klassischer Anmutung einbringt. Im Zusammenspiel entsteht ein typografisches Spannungsfeld, das weder nostalgisch noch beliebig modern wirkt. Gerade dadurch eignet es sich gut, ein heterogenes und generationenübergreifendes Publikum anzusprechen.
Ein berühmtes Werk der surrealistischen Malerei zeigt eine Pfeife und darunter den Satz „Ceci n’est pas une pipe“ — auf Deutsch: „Dies ist keine Pfeife“. Der belgische Maler René Magritte wollte mit „La trahison des images“ (dt. „Der Verrat der Bilder“) verdeutlichen, dass sein Gemälde eben keine Pfeife ist, sondern nur das Bild von einer Pfeife. Ähnlich verhält es sich mit unserer neuen Bild-Marke: Es ist kein ‚J‘, sondern das Bild von einem ‚J‘ — und das Bild von einem Saxofon, einer Viertelnote, einem Häkchen, einem Stunden- und Minutenzeiger und allem, was man darin sehen mag. Es ist das Bild von einem Jazz, wie wir ihn sehen, auf unseren Veranstaltungen präsentieren und als Verein repräsentieren: Zeitgenössisch, dynamisch, scherenschnittartig zwischen Klassik und Pop, im steten Wandel begriffen und sich stets neu erfindend.
Kommunikation des Jazzclub Leipzig e.V. zum Relaunch
Eine Bildsprache, die dem Verein eine Stimme gibt
Jenseits des Logos war die wichtigste Entscheidung des Projekts die Zusammenarbeit mit dem Leipziger Illustrator Stefan Ibrahim. Seine Illustrationen prägen die Bildsprache des neuen Erscheinungsbildes maßgeblich und bewegen sich dabei zwischen Kunstmotiv und Werbemotiv, zwischen surrealer Anmutung und popkultureller Ansprache.
Gerade darin liegt ihre Stärke. Der Jazzclub Leipzig ist Bühne für Hochkultur und Subkultur, für Szene und Öffentlichkeit, für künstlerischen Anspruch und die Realität kultureller Vermarktung. In den Illustrationen spiegelt sich genau dieses Spannungsfeld. Sie geben dem Verein eine visuelle Eigenart, die weit über das Signet hinausreicht.
Was das Projekt für mich ausmacht
Der Relaunch des Jazzclub Leipzig war für mich auch deshalb besonders, weil ich damit meine eigene frühere Arbeit hinterfragen musste. Das alte Logo stammte ebenfalls von mir. Ein neues Logo zu entwickeln, hieß also nicht nur neu zu gestalten, sondern den Verein mit frischem Blick noch einmal zu lesen. Entstanden ist ein Zeichen, das näher an den Jazz heranrückt, eine Bildsprache mit eigener kultureller Haltung und ein Erscheinungsbild, das dem Verein heute wieder mehr Zusammenhalt, Identifikation und Ausdruck verleiht.
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- Portfolio
- Bereich:
- Corporate Design
- Schlagwort:
- Kultur & Kreativwirtschaft
- Link:
- www.jazzclub-leipzig.de