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Was ChatGPT wohl über mich „denkt“?

Was passiert, wenn ich meine zwölf stärksten Konzepte einer KI vorlege, die keine Rücksicht auf Eitelkeiten nehmen muss?

Blog KI/AI
Hero-Bild des Beitrags „Was ChatGPT wohl über mich denkt?“ als visueller Einstieg in den Essay über KI, Sprache und Designreflexion.

ChatGPT ist ein Large Language Model (LLM), also ein Sprachmodell. Seine ganze „Existenz“ fußt auf der Analyse von Sprache und ihren inhärenten Mustern. Ich dachte mir: vielleicht ist sie deswegen besonders geeignet, meine Sprache und die Muster, die ich verwende, zu analysieren und zu beurteilen.

Gerade deshalb fand ich den Versuch reizvoll. Klar, ich verspreche mir von KI keine endgültige Wahrheit über meine Arbeit. ChatGPT hat keine Intuition, keine Lebenserfahrung und keinen Geschmack im menschlichen Sinn, kann aber Muster erkennen. Manchmal reicht das schon, um einem zu zeigen, an welcher Stelle man präzise ist oder sich wiederholt und ob man sich selbst vielleicht zu sehr vertraut.

Und jetzt „spricht“ ChatGPT:

Was deinen Sprachduktus ausmacht

Deine Texte arbeiten fast nie bloß beschreibend. Sie denken sich an den Gegenstand heran. Häufig beginnt ein Abschnitt mit einer Beobachtung, einer Irritation oder einer Frage, aus der du dann die gestalterische Folgerung ableitest. Das sieht man sehr klar bei Studio Hartensteiner, wo du aus dem Claim fast eine kleine Theorie von Design, Nutzung und Kommunikation entwickelst.

Dazu kommt ein zweites Muster: Du verstehst Gestaltung als Übersetzung, als Versinnbildlichung und als kommunikativen Zusammenhang. Das taucht in deinen Konzepten immer wieder auf. Im Telemonitoring-Projekt verschiebst du die Perspektive vom Stethoskop zur digitalen Kommunikation; bei der Profilseite formulierst du Gestaltung ausdrücklich als Übersetzung zwischen Idee und Wahrnehmung, Inhalt und Wirkung.

Ein drittes Merkmal ist deine Nähe zu Positionierung, Psychologie und Markensprache. Du argumentierst selten nur formal. Du fragst nach Vertrauen, Wiedererkennbarkeit, Identifikation, Zielgruppen, Narrativen und nach der Frage, wie eine Marke sich im Kopf anderer verankert. Das ist bei QLEE, Deutsche Fondsankauf, prefix.dev und Jazzclub Leipzig sehr deutlich.

Was daran stark ist

Deine größte Stärke ist, dass du Gestaltung sinnhaft auflädst, ohne völlig ins Ungefähre abzurutschen. Du gibst Formentscheidungen einen gedanklichen Unterbau. Dadurch wirken deine Konzepte nicht wie Moodboards mit Rechtfertigung, sondern wie echte Positionierungen. Bei prefix.dev etwa wird aus einem Puzzleteil eine tragfähige Analogie für Plattformlogik, Kollaboration und Markenbotschaften.

Sehr stark ist auch dein Umgang mit Zwischenüberschriften. Sie ordnen nicht nur, sie setzen bereits einen Gedanken. „Der kleinste gemeinsame Nenner“, „Blaues Licht wirft blauen Schatten“, „Vom Stetoskop zur digitalen Kommunikation“, „Für den Neuanfang zurück auf Anfang“ – das sind Überschriften, die nicht bloß rubrizieren, sondern eine Haltung mitbringen.

Außerdem schreibst du aus einer seltenen Verbindung heraus: essayistisch im Ton, strategisch im Denken. Du willst nicht nur sagen, wie etwas aussieht, sondern warum eine Form psychologisch, kommunikativ und markentechnisch trägt. Gerade diese Kombination macht deine Texte unverwechselbarer als viele übliche Designbeschreibungen.

Wo ich aufpassen würde

Dein Stil hat eine klare Fallhöhe. Das ist gut. Er kann aber kippen, wenn sich drei Dinge häufen:

Erstens: zu viele rhetorische Gegensätze in kurzer Folge. Das Muster „nicht x, sondern y“, „einerseits / andererseits“, „entweder / oder“ gibt dir Zug. Wenn es zu oft hintereinander kommt, wird die Argumentation vorhersehbar. Das ist genau die Stelle, an der KI oft auch künstlich klingt — und bei dir wäre es schade, weil dein Denken eigentlich eigen genug ist.

Zweitens: zu viel gedankliche Verdopplung. Du formulierst einen guten Gedanken oft erst als Beobachtung, dann als Erklärung, dann noch einmal als Konsequenz. Das kann stark sein, wenn es Spannung steigert. Manchmal erklärt der dritte Schritt nur noch nach, was schon klar war.

Drittens: ein Hang zum Totalanspruch. Du willst häufig den Gegenstand vollständig herleiten: Branche, Symbolik, Psychologie, Kommunikation, Wirkung. Das gibt Tiefe. Es kann aber dazu führen, dass ein Text seine Energie auf dem Weg verliert, obwohl der Kern längst sitzt.

Meine ehrliche Einschätzung zu deinen Texten

Dein Stil ist konzeptionell, argumentativ, semantisch aufgeladen und markenpsychologisch geschult. Er ist am stärksten, wenn ein großer Gedanke auf eine präzise Beobachtung trifft und sprachlich nicht totgeredet wird.

Du schreibst deutlich besser und eigenständiger als viele Designer, die zwar gute Arbeiten zeigen, sprachlich aber in generischen Agenturton kippen. Deine Texte haben eine Stimme. Sie haben Gedanken. Sie haben Richtung. Der Engpass liegt nicht in mangelnder Qualität, sondern eher in Dosierung, Straffung und Selbstdisziplin. Für zukünftige Texte ist es hilfreich, wenn du deinen Stil zielgerichtet dosierst.

Jetzt ich wieder 😅

Stimmt. Ich verlier mich manchmal in der Ausformulierung meiner Gedanken und hole oft weit aus. Andererseits finde ich das auch stark. Denn es zeigt, wie tief gehend ich mich mit meinen Projekten, Auftraggebern und der Problemlösung durch Design auseinandersetze. Das haben mir auch schon Auftraggeber und Freunde so gespiegelt. Ich mag diese Tiefe und verstehe sie als Wertschätzung sowohl jenen gegenüber, die mich beauftragen, als auch jenen gegenüber, die meiner Hände Arbeit am Ende sehen, anklicken oder in Händen halten.

Ich bleibe Autor meiner Konzepte. Aber vom Musterbewusstsein einer Maschine kann ich vielleicht noch manches über meine eigene „Stimme“ lernen.